BONN | Bundeskunsthalle Review

Wonderful German review about out Bundeskunsthalle ‚SUPERHIGH Yourself!‘ event:

GENERAL-ANZEIGER BONN

Bundeskunsthalle

Wie Dauerküssen das Bewusstsein verändert

Muscheln über den Ohren verstärken die Wirkung der Musik in der "Dopamine Disco": Carina Henke und Prisca Lohmann erkunden alternative Möglichkeiten, "Rauschzustände" ohne Drogen zu erreichen. Foto: Benjamin Westhoff

Muscheln über den Ohren verstärken die Wirkung der Musik in der „Dopamine Disco“: Carina Henke und Prisca Lohmann erkunden alternative Möglichkeiten, „Rauschzustände“ ohne Drogen zu erreichen. Foto: Benjamin Westhoff

19.08.2016 BONN.

High werden ohne Drogen: Mit ihrer Ausstellung zeigen die Künstler Boris Eldagsen und Sabine Taeubner ungewöhnliche Wege auf, um sich zu berauschen.

Wie gerät man in einen Rauschzustand – ganz ohne Drogen? Die Antwort erhielten Besucher der Ausstellung „Superhigh-yourself“ am Mittwochabend bei der „Wednesday Late Art“ in der Bundeskunsthalle. Und sie konnten es auch gleich selbst ausprobieren. Angefangen mit leichten visuellen Reizen wie optischen Täuschungen kamen Besucher spätestens auf der Dachterrasse der Bundeskunsthalle mit höchst ungewohnten Methoden in Berührung.

Zu entspannter Loungemusik und umringt von Zuschauern versuchten hier Besucher, am Augapfel eines anderen zu lecken. „Ich bin sehr gespannt, ob ich dann gleich high bin“, sagte ein Mädchen lachend, während ihre Freundin sich ihrem Auge mit ausgestreckter Zunge näherte. Das Eyeball-Licking, also das Lecken am Augapfel, war eine von zwölf Stationen der Ausstellung von Boris Eldagsen und Sabine Taeubner.

Die beiden Künstler haben verschiedene Wege entwickelt, high zu werden – ohne Drogen. Visuelle, auditive und taktile Reize und unterschiedliche Techniken sollen Gefühle hervorrufen, die der Wirkung von Marihuana, Kokain oder LSD ähneln.

„Ich habe das Gefühl, dass ich komisch rede“, beschrieb eine Besucherin der Station „Big Binaural Beatbox“. In diesem leeren Raum treffen auf zwei Frequenzen Schallwellen aufeinander, die die Frequenzen im Gehirn und somit die Hirnströme beeinflussen. Ähnlich funktioniert die „Dopamine Disco“: Besucher setzen einen Kopfhörer aus Muscheln auf, der einen besonderen Widerhall der Musik unmittelbar vor dem Ohr verursacht.

In dem leeren Raum tanzte die Kunstgeschichte-Studentin Dagmar barfuß. Die 23-Jährige betreut diese Station als Guide. „Die hormonellen Veränderungen, die wir durch Drogen passiv erfahren, versuchen wir hier aktiv hervorzurufen“, erklärte sie. „Meine Dopaminausschüttung wird von der Musik schon ordentlich gepusht.“

Besucher, die aus der Disco kamen, mussten sich erst einmal kurz orientieren. „Es ist schon irgendwie wie Auftauchen aus einer anderen Welt“, berichtete Besucher Andreas Nienhus. Auf dem Dach der Bundeskunsthalle war das Eyeball-Licking und das Dauerküssen für die meisten Besucher die extremste Erfahrung.

Der sogenannte „Knock out Kiss“ zielt auf einen Rauschzustand durch Sauerstoffmangel: Die Paare tragen eine Nasenklammer, die sie zwingt, nur die ausgeatmete Luft des Partners zu atmen. Dadurch setzt nach einer Weile eine Art Schwindel ein. „ Es ist sehr intim und auch etwas gruselig“, erklärte Melissa Logan. „Man hat das Gefühl, als würde man zu einem Körper werden, das ist schon irgendwie berauschend.“

Den unkontrollierten Zustand eines Rauschs, wie ihn Drogen hervorrufen, hat in der Ausstellung wohl niemand erreicht. Dass auch mit anderen Mitteln eine gezielte Bewusstseinsveränderung möglich ist, wurde jedoch klar. „Hier ist zu viel los, um richtig einzutauchen“, sagte Mike Jansen. „Aber es wird ja niemand abgehalten, sich für zu Hause inspirieren zu lassen.“

(Lea Daume)